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Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds fördert niederbayerisch-tschechischen Austausch

Berlin, 26. Juni 2020: Am 23. und 24. Juni 2020 tagte zum zweiten Mal in diesem Jahr der Verwaltungsrat des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Das Gremium entscheidet vierteljährlich über die finanzielle Bezuschussung von Projekten, die die bilaterale Ver¬bundenheit von Deutschland und Tschechien verkörpern. Dieses Mal erhalten 137 deutsch-tschechische Projektinitiativen Fördermittel in Höhe von 797.000 Euro. Die SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin Rita Hagl-Kehl wurde erneut vom deutschen Außenminister Heiko Maas in den Verwaltungsrat berufen. Dank ihres Einsatzes erhalten mehrere Projekte in den Landkreisen Freyung-Grafenau, Deggendorf und Regen eine finanzielle Unterstützung.

Die erste Sitzung im Jahr haben die Mitglieder noch per Videoschalte abgehalten. Nun traf sich der Verwaltungsrat des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds unter Wahrung der Hygienemaßnahmen in Prag, um über zahlreiche eingereichte deutsch-tschechische Projekte zu entscheiden. In der Kategorie Schulaustausch kann sich das Staatliche Berufliche Schulzentrum Waldkirchen mit Außenstelle Grafenau im Landkreis Freyung-Grafenau freuen. Zusammen mit ihrer Partnerschule in Písek gestaltet sie regelmäßig das Projekt „Globales Dorf“. Die Begegnung von 20 deutschen und 20 tschechischen Schülerinnen und Schülern wird von der Bildungsstätte Waldmünchen organisiert und durchgeführt. Über fünf Tage lernen und arbeiten die deutschen und tschechischen Teilnehmenden intensiv miteinander, erlernen in Zusammenarbeit berufsorientierte Schlüsselqualifikationen, Kooperationsfähigkeit und Teamgeist – über Landesgrenzen und Sprachbarrieren hinweg. Der Höhepunkt des deutsch-tschechischen Austausches ist der von den Jugendlichen selber gestaltete Kulturabend, bei dem Traditionen, kulinarischen Spezialitäten, Bräuche und Lieder vorgestellt und ausgetauscht werden. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds fördert dieses Austauschprojekt mit umgerechnet ca. 3.365 Euro.

Auch die EUREGIO als grenzüberschreitender Zusammenschluss von Städten, Gemeinden, Landkreisen und Verbänden in der bayerisch-tschechisch-oberösterreichischen Grenzregion erhält eine Bezuschussung des Zukunftsfonds: In Zusammenarbeit mit der tschechischen Organisation Euroregion Šumava - jihozápadní Čechy (Euroregion Böhmerwald-Südwestböhmen) realisiert sie inzwischen zum 25. Mal Gastschuljahre für tschechische Oberschülerinnen und -schüler aus Süd- und Westböhmen an bayerischen Gymnasien, unter anderem am Gymnasium Freyung. Bereits über 500 tschechische Jugendliche haben ein Schuljahr in Bayern verbracht. Seit dem Schuljahr 2015/16 haben auch bayerische Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Aufenthalte an tschechischen Gymnasien zu absolvieren. Diese traditionsreiche Schulpartnerschaft wird mit 26.400 Euro gefördert.

In der Kategorie Schulaustausch kann sich das St.-Michaels-Gymnasium der Benediktiner Metten im Landkreis Deggendorf freuen. Sein Austauschprojekt mit dem Gymnasium Pilsen wird mit umgerechnet ca. 1.560 EUR gefördert. Schon im letzten Jahr hat sich Rita Hagl-Kehl erfolgreich für eine Unterstützung dieses Schulaustauschs eingesetzt. Unter dem Motto „Sprung ins Nachbarland“ sind für das Schuljahr 2020/21 zwei Austausche von Schülerinnen und Schülern geplant: Im September 2020 soll ein fünftägiges Treffen in Pilsen stattfinden. Im Juni 2021 werden sich insgesamt 54 deutsche und tschechische Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren und sechs Begleitpersonen für einen Gegenbesuch in Metten treffen. Die Unterbringung der Schülerinnen und Schüler erfolgt bei Familien des jeweiligen Gastlandes. Das Austauschprogramm wird stets gemeinsam abgehalten. Beispielsweise nehmen die Schülerinnen und Schüler an einem gemeinsamen Projektunterricht in der jeweiligen Schule teil und übernachten dort. Mit abwechslungsreichen Stadtrallyes erhalten die Jugendlichen Einblicke in verschiedene Orte und Museen beider Städte.

Drei Projekte im Landkreis Regen können sich über tatkräftige Unterstützung durch den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds freuen: Umgerechnet etwa 2.245 EUR erhält der Verein „Über d’Grenz e.V.“ und sein tschechischer Partner in der Kategorie Dialogforen und Fachveranstaltungen für die zweisprachige Ausstellung „Natur am Scheideweg - Veränderungen in der biologischen Vielfalt während der letzten 50 Jahre“. Zu sehen ist diese Ausstellung im Böhmerwaldmuseum im tschechischen Bergreichenstein. Sie zeigt die Eingriffe und den Einfluss der Menschen auf die Umwelt, aber auch Möglichkeiten und Wege zum Schutz der biologischen Vielfalt in der Region des Böhmerwaldes und des Bayerischen Waldes. Neben Fotografien und Exponaten können Kinder und Erwachsene an einem interaktiven Quiz teilnehmen. Das grenzübergreifende ökologische Thema steht im Mittelpunkt der Ausstellung. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds unterstützt sehr, dass die Ausstellung zu einem späteren Zeitpunkt auch auf deutscher Seite gezeigt werden soll.

Die Archäologische Arbeitsgemeinschaft Ostbayern/ West- und Südböhmen/ Oberösterreich unter der Leitung des Bewohners von Bischofsmais, Dr. Karl Schmotz, existiert bereits seit dem Jahr 1990 und veranstaltete in dieser Zeit schon 28 Tagungen. Die Gruppe von bayerischen und tschechischen Archäologinnen und Archäologen versteht es, persönliche Kontakte mit wissenschaftlichem Austausch über die Landesgrenzen hinweg zu verbinden und erhält für die Herausgabe ihrer Sammelschrift "Fines Transire" vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds 2.000 Euro.

Das Bild-Werk Frauenau ist ein Verein zur Förderung des Glaskunsthandwerks und gilt in diesem Bereich als Schnittstelle zwischen dem Bayerischen Wald und dem Böhmerwald. Seinen Austausch zwischen deutschen und tschechischen Glasfachschulstudierenden unterstützt der Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds mit einer Geldsumme von 4.000 Euro. Das Projekt beinhaltet die Teilnahme von sieben tschechischen und sieben deutschen Glasfachschulstudierenden an den künstlerischen Kursen der 17-tägigen Internationalen Sommerakademie im Bild-Werk Frauenau. Hier dreht sich alles um Glas, Keramik und Malerei. Ein deutsch-tschechischer Workshop bietet den Stipendiatinnen und Stipendiaten einen Begegnungsraum, wodurch sie grenzüberschreitende künstlerische Installationen oder Ausstellungen erarbeiten können. Der Workshop wird von dem erfahrenen Glaskünstler Mark Angus aus Frauenau und dem tschechischen Kunstlehrer Michal Poustka aus Pilsen geleitet. Auch die Unterbringung und die Mahlzeiten finden gemeinsam statt, sodass die Teilnehmenden im ständigen Austausch sind.

Es ist mir eine Ehre, wieder in den Verwaltungsrat des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds berufen worden zu sein. Ich werde mich weiterhin für Projekte aus meiner Heimat und die deutsch-tschechische Verbundenheit stark machen. Auch dieses Mal haben wir von vielen spannenden Projekten und Initiativen erfahren. Die Förderung von Schulaustauschen ist mir als Lehrerin besonders wichtig. Deshalb habe ich mich auch dafür stark gemacht, dass meine Schule, das Gymnasium Freyung, bei ihren Schulaustauschen unterstützt wird. Jugendliche haben so die Chance, früh Vorurteile abzubauen und stattdessen länderübergreifende Brücken zu erbauen. Natürlich ist es mir als Anwohnerin von Grafenau auch eine besondere Freude, dass wir ein Projekt unserer Partnerstadt Bergreichenstein bezuschussen. Ich danke allen Engagierten, die sich für die deutsch-tschechische Freundschaft einsetzen.

Rita Hagl-Kehl

Hintergrund

Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds hilft, Brücken zu bauen zwischen Deutschen und Tschechen. Er fördert gezielt Projekte, die Menschen beider Länder zusammenführen und Einblicke in die Lebenswelten, die gemeinsame Kultur und Geschichte ermöglichen und vertiefen. Seit 1998 hat der Zukunftsfonds insgesamt über 60 Millionen Euro für rund 11.000 Projekte zur Verfügung gestellt. Weitere Infos finden Sie unter: http://www.fondbudoucnosti.cz/de/