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“Eltern-Kind Kliniken müssen schneller unterstützt werden!”

(Foto v.l.n.r.: Silvia Loibl (Klinikleiterin Kurklinik am Kurpark in Grafenau), Rita Hagl-Kehl, Nadine Espey (Mitglied der Geschäftsleitung "Arbeitsgemeinschaft Eltern- und Kind-Kliniken")

Mutter/Vater-Kind Kliniken sind ein wichtiger Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems. Besonders durch präventive Maßnahmen leisten sie einen bedeutenden Beitrag bei der Vorbeugung und Behandlung vor allem von stressbedingten Erkrankungen. In Gespräch mit Silvia Loibl und Nadine Espey informierte sich Rita Hagl-Kehl, SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, über die Auswirkung der Corona-Pandemie auf die Kliniken.

Ohne staatliche Hilfe hätte es düster ausgesehen.

Nadine Espey

„Ohne staatliche Hilfe hätte es düster ausgesehen“, resümiert Nadine Espey, Mitglied der Geschäftsleitung des niederbayerischen Klinik-Unternehmens "Arbeitsgemeinschaft Eltern- und Kind-Kliniken", die letzten von Corona geprägten Monate. Und auch Silvia Loibl, Klinikleiterin der Kurklinik am Kurpark in Grafenau, betont: „Ohne die Möglichkeiten des Kurzarbeitergeldes hätten wir vermutlich einige unserer 135 Mitarbeiter entlassen müssen.“ Anders als viele andere Branchen habe man nach dem Lockdown im Frühjahr nicht sofort wieder öffnen können, sondern eine gewisse Vorlaufzeit gebraucht, so Loibl.

Der Bedarf an Mutter/Vater-Kind Kuren ist bereits vor der Corona-Pandemie kontinuierlich gestiegen.

Rita Hagl-Kehl

Mutter/Vater-Kind Kliniken bieten mit ihren Kurmaßnahmen für Eltern, in Grafenau besonders für Eltern mit Pflegekindern, die Möglichkeit, sich von den Belastungen des Alltags zu erholen. Dadurch können nicht nur Krankheiten behandelt, sondern bereits präventiv verhindert werde. Durch das Zusammenspiel von Medizinern, Psychologen und Therapeuten können die Patienten so gestärkt in ihren Alltag zurückkehren. „Der Bedarf an Mutter/Vater-Kind Kuren ist bereits vor der Corona-Pandemie kontinuierlich gestiegen. Viele Eltern fühlen sich im Alltag überfordert, gestresst und allein gelassen. Es ist kein Wunder, dass das auch körperliche Spuren hinterlässt“, so Rita Hagl-Kehl.

Die meisten unserer Behandlungen finden in kleinen, immer gleichbleibenden Gruppen statt.

Silvia Loibl

Um trotz hoher Corona-Zahlen den Betrieb weiterhin zu ermöglichen, hat man in Grafenau ein passendes Hygienekonzept entwickelt. „Die meisten unserer Behandlungen finden in kleinen, immer gleichbleibenden Gruppen statt. So können wir den notwendigen Abstand gewährleisten und eine mögliche Ausbreitung verhindern“, erzählt Silvia Loibl. Dennoch seien viele Plätze frei. „Die Menschen sind spürbar verunsichert. Zudem bekommen wir oft kurzfristige Absagen aufgrund von Kontakt mit Corona-Infizierten und der damit verbundenen Quarantänemaßnahmen“, bestätigt auch Nadine Espey.

Wir haben auf Bundesebene schnell die notwendigen Hilfsgelder bereitgestellt und gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen.

Rita Hagl-Kehl

Zwar sei die finanzielle Lage inzwischen relativ stabil, man ist bei einer derzeitigen Bettenauslastung von circa 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aber weiterhin auf staatliche Unterstützung angewiesen. „Wir sind froh, dass wir im Rahmen der Corona-Wirtschaftshilfen finanzielle Ausgleichszahlungen erhalten. Allerdings gestaltet sich das momentane Antragsverfahren als kompliziert und langwierig. Das geht in anderen Bundesländern deutlich einfacher und schneller“, gibt Nadine Espey zu bedenken. Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Rita Hagl-Kehl kritisiert: „Wir haben auf Bundesebene schnell die notwendigen Hilfsgelder bereitgestellt und gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen. Es kann nicht sein, dass der Freistaat hier zu langsam arbeitet und eben jene Gelder nicht zügig bei den Betroffenen ankommen.“