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‚Experimentierwerkstatt Ländliche Verbraucherpolitik‘ zeigt Verbesserungspotenzielle auf

„Durch die Experimentierwerkstatt konnten wir in den vergangenen zwei Jahren wichtige Erkenntnisse und Erfahrungen sammeln, in welchen Bereichen es bei der Verbraucherpolitik im Ländlichen Raum dringenden Handlungsbedarf gibt.“

Zum Abschluss des zwei Jahre dauernden Projektes des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz zieht Rita Hagl-Kehl, SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin, eine positive Bilanz: „Durch die Experimentierwerkstatt konnten wir in den vergangenen zwei Jahren wichtige Erkenntnisse und Erfahrungen sammeln, in welchen Bereichen es bei der Verbraucherpolitik im Ländlichen Raum dringenden Handlungsbedarf gibt.“

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) hat im Zeitraum von Oktober 2019 bis Oktober 2021 das Forschungsprojekt „Experimentierwerkstatt Ländliche Verbraucherpolitik“ gefördert. Ziel des Projekts war es zu untersuchen, wie Verbraucherinnen und Verbraucher im ländlichen Raum die Beratung und Information zu Verbraucherfragen wahrnehmen und wie sie sich diese für die Zukunft vorstellen. Auf Basis von mehreren Workshops wurden Handlungsempfehlungen für die „Ländliche Verbraucherpolitik“ erarbeitet. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf digitalen Angeboten der Verbraucherinformation und -beratung.

Im Rahmen des Projekts fanden deutschlandweit zehn Experimentierwerkstätten in ländlichen Regionen, unter anderem im Landkreis Freyung-Grafenau, sowie ein Vergleichsworkshop in der Stadt Erfurt statt. Pandemiebedingt wurden die Experimentierwerkstätten im Verlauf des Projektes digital durchgeführt. Dabei wurden auch die Auswirkungen des Pandemiegeschehens auf die Verbraucherinnen und Verbraucher in ländlichen Regionen untersucht. Im Rahmen der Abschlussauswertung kommt das betreuende Forscherteam um Prof. Dr. Hanna Schramm-Klein (Universität Siegen) vor allem zu dem Ergebnis, dass es auf der einen Seite an Informationsangeboten vor Ort und passender digitaler Infrastruktur mangelt, und auf der anderen Seite bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern ein Informationsdefizit besteht, welche Beratungsmöglichkeiten überhaupt bestehen. 

Mit Blick auf die Ergebnisse in Freyung-Grafenau berichtet Rita Hagl-Kehl: „Die Studienteilnehmerinnen und –teilnehmer in Freyung-Grafenau, denen ich an dieser Stelle auch meinen Dank für ihr Mitwirken aussprechen möchte, sehen insbesondere die vorhandene Infrastruktur kritisch. Das betrifft einerseits den Mangel an analogen Beratungsangeboten vor Ort vor allem für ältere Bevölkerungsgruppen (die nächste Beratungsstelle der Verbraucherzentrale ist in Deggendorf), als auch andererseits die schlechte oder gar fehlende digitale Infrastruktur.“ Zudem enthalte auch eine eigentlich positive Eigenschaft des Landkreises Freyung-Grafenau, nämlich die noch vergleichsweise engen familiären Bindungen, ein Problem, so Rita Hagl-Kehl weiter: „Die Studie kommt für unsere Region zu dem Ergebnis, dass viele Menschen aufgrund des schlechten Beratungsangebots Hilfe innerhalb der Familie suchen. Hierdurch kommt den Angehörigen eine große Verantwortung zu (oftmals geht es um mehrere tausend Euro), was wiederum zu Spannungen in der Familie führen kann.“ Ein anderes, deutschlandweites Problem sei hingegen die mangelnde Kenntnis der Verbraucherinnen und Verbraucher über das bestehende Informations- und Beratungsangebot, zudem werde der Aufwand auch als unverhältnismäßig hoch eingeschätzt, so Hagl-Kehl. Dabei habe man in der vergangenen Legislaturperiode gerade im Verbraucherschutz neue Möglichkeiten und rechtliche Hilfsmittel für Verbraucherinnen und Verbraucher geschaffen, betont die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz abschließend: „Mit der Musterfeststellungsklage 2018 oder dem Gesetz für faire Verbraucherverträge, das bereits schrittweise in Kraft tritt, haben wir bedeutende Verbesserungen im Verbraucherschutz einführen können. Hierüber besser zu informieren ist eine wichtige Aufgabe der Ampelkoalition, weshalb wir dies auch explizit im Koalitionsvertrag festgesetzt haben.“  


© Rita Hagl-Kehl, MdB