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“Wir müssen lokale Unternehmen unterstützen”

Das Bild unserer Innenstädte ist geprägt von kleinen und großen Geschäften, Händlern und Unternehmen, die teilweise bereits auf eine lange Geschichte zurückblicken können. Durch den immer stärker werdenden Online-Handel geraten diese Unternehmen bereits seit einigen Jahren zunehmend unter Druck, die Corona-Krise wirkt nun wie ein Katalysator. Im Gespräch mit Johannes Huber, Geschäftsführer des Modehaus Garhammer in Waldkirchen, erkundigte sich Rita Hagl-Kehl, SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, über die aktuelle Lage der Branche, wie die Corona-Hilfsmaßnahmen vor Ort ankommen und welche Impulse man sich von der Politik erhofft.

Unser Ziel ist es, all unsere Mitarbeiter halten zu können.

Johannes Huber

„Unser Ziel ist es, all unsere Mitarbeiter halten zu können“, sagte Johannes Huber bereits zu Beginn des Gesprächs. Anders als viele andere Unternehmen der Branche habe man in den letzten Jahren gut gewirtschaftet, viel in das Unternehmen investiert und könne sich mit Hilfe des Kurzarbeitergeldes über Wasser halten. „Bei vielen unserer Kollegen ist die Lage allerdings kritischer“, so Huber weiter. Laut einer aktuellen Umfrage des Handelsverband Deutschland – HDE sieht sich inzwischen jeder dritte Einzelhändler durch den Umsatzrückgang in seiner Existenz bedroht. Kämpfen besonders die Händler in der Innenstadt bereits seit Jahren mit der Konkurrenz aus dem Internet, hat sich durch die notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus die Lage zugespitzt. „Durch unsere Wirtschaftshilfen wie die Überbrückungshilfen I, II und III, die außerordentlichen Wirtschaftshilfen (Novemberhilfe) oder das Kurzarbeitergeld haben wir es geschafft, die Umsatzrückgänge durch den Lockdown abzufedern. Um die Händler in unseren Innenstädten langfristig zu unterstützen werden wir aber weitere Maßnahmen brauchen, angefangen bei unserem eigenen Kaufverhalten“, betonte die SPD-Bundestagsabgeordnete Rita Hagl-Kehl. 

In den vergangenen Jahren hat der Online-Handel, angeführt von Amazon, Zalando und Co., seinen Marktanteil kontinuierlich ausgebaut. Bereits 2019 betrug der Onlineanteil am Umsatz des Gesamteinzelhandels (exklusive Lebensmittel) laut dem „Online Monitor 2020“ des HDE deutlich über 15 Prozent, Tendenz steigend. Johannes Huber gab zu bedenken: „Mit dem unbegrenzten Warenangebot und kostenlosen Retouren der Online-Händler ist es für lokale Einzelhändler schwierig zu konkurrieren. Retouren sollten kostenpflichtig sein, allein aus Umweltschutzgründen.“ Zudem kann der stationäre Handel in der Corona-Krise seine Stärken - eine bessere Beratung und besseren Service – nicht wie gewohnt ausspielen, da die Lust auf lange Shoppingtouren unter den gegebenen Umständen deutlich geringer ist.

Ich für meinen Teil möchte auch in fünfzehn Jahren noch in der Innenstadt gemütlich einkaufen gehen!

Rita Hagl-Kehl

„Durch das Verschwinden der Einzelhändler aus unseren Innenstädten geht nicht nur ein Stück Kultur verloren. Es sind auch viele lokale Arbeitsplätze bedroht“, so Rita Hagl-Kehl. Die Politik habe das Problem bereits erkannt und versuche gegenzusteuern. So wurde unter anderem erst in diesem Jahr durch die Umsetzung der Abfallrahmenrichtlinie der EU die massenhafte Vernichtung von Retouren verboten. Auch sind im neuen Bundeshalt allein 25 Millionen Euro für die Entwicklung neuer Konzepte für den Erhalt lebendiger Innenstädte eingeplant. „Uns muss aber allen klar sein, dass schlussendlich der Kunde entscheidet, bei wem er einkauft. Ich für meinen Teil möchte auch in fünfzehn Jahren noch in der Innenstadt gemütlich einkaufen gehen und nicht nur unpersönlich Pakete an der Türschwelle empfangen“, bekräftigte Rita Hagl-Kehl noch einmal am Ende des Treffens.