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Hagl-Kehl: „Landesregierung darf Berufsschulen nicht vergessen“

Im Rahmen der schrittweisen Öffnung der Schulen in Bayern konnten zunächst die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen in den Präsenzunterricht gehen, nun auch die der Grundschulen. Bei ihrem Besuch des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums Waldkirchen erkundigte sich Rita Hagl-Kehl, SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatsekretärin bei der Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, welche Erfahrung die Lehrer mit dem Distanzunterricht in der beruflichen Ausbildung gesammelt haben und in welchen Bereichen noch Handlungsbedarf besteht.

Ich selbst komme aus dem Handwerk

Rita Hagl-Kehl

„Wir sind froh, dass das heutige Treffen mit Frau Hagl-Kehl zustande gekommen ist. Allzu oft werden bei der öffentlich Diskussion um die Bildungspolitik Berufsschulen und die berufliche Ausbildung allgemein vergessen“, sagte Michael Anderle vom Fachbereich Bau/Holz bereits zu Beginn des Treffens, welches der Initiative eines Schülers und seiner besorgten Mutter entsprang. Man sei zudem froh, dass seit dem 22. Februar nun auch wieder die Schülerinnen und Schüler des Berufsgrundschuljahres in Präsenz unterrichtet werden dürfen, denn gerade in der handwerklichen Ausbildung könne man nicht alles ins Homeschooling verlagern. „Ich selbst komme aus dem Handwerk und habe in meiner Jugend eine Ausbildung zur Damenschneiderin gemacht. Für mich ist es deshalb umso wichtiger die berufliche Ausbildung in Deutschland zu stärken. Nur so können wir einen Fachkräftemangel in der Zukunft verhindern“, betonte Rita Hagl-Kehl.

All das kann aber nicht den Unterricht vor Ort ersetzen.

Elvira Wudy-Engleder

Vom Corona-Lockdown waren und sind insbesondere Berufsschulen betroffen. Während der Unterricht an Universitäten und anderen Schulen einfacher in den digitalen Raum verlegt werden konnte, lebt besonders die berufliche Ausbildung von der Praxis. „Bisher konnten wir durch das Vorziehen von theoretischen Inhalten verhindern, dass zu viel Lehrstoff im Vergleich zu einem normalen Schuljahr verloren geht. Lange können wir so aber keine Zeit mehr schinden“, stellte Schulleiterin Elvira Wudy-Engleder eingangs klar. Man versuche zudem den Schülerinnen und Schülern praktische Aufgaben mit nach Hause zu geben und stelle selbstgemachte Online-Videos mit Anleitungen der Lehrer zur Verfügung. Zwar setze man als Modellschule für Digitales Lernen bereits seit längerem auf modernste Unterrichtsmittel und nutze digitale Konzepte. „All das kann aber nicht den Unterricht vor Ort ersetzen“, so Wudy-Engleder. 

 In der Zwischenzeit hätte die Bayerische Staatsregierung aber einen Plan für die schrittweise Öffnung entwickeln müssen.

Rita Hagl-Kehl

„Die Schließung der Schulen im vergangenen Dezember waren notwendig, um das Infektionsgeschehen zu verlangsamen und unser Gesundheitssystem zu entlasten. In der Zwischenzeit hätte die Bayerische Staatsregierung aber einen Plan für die schrittweise Öffnung entwickeln müssen. Besonders in der beruflichen Ausbildung hat man hier die Schulen zu lange allein gelassen“, kritisierte Rita Hagl-Kehl deutlich. Man hoffe, dass an dieser Stelle schnell nachgebessert werde, zumal die Klassenstärke generell kleiner und die Klassenräume aufgrund der Art der Ausbildung größer seien, wodurch Hygieneschutzkonzepte besser eingehalten werden können, so Hagl-Kehl zum Abschluss.